Dipl.-Kfm. Wolf Matthias Mang ist u.a. Geschäftsführer Arno Arnold GmbH.
Er ist seit 2006 Vorstandsmitglied und seit 2012 Vorstandsvorsitzender Hessenmetall,
Bezirksgruppe Offenbach-Osthessen

Seit 2011 Vorstandsmitglied vom Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen e. V (Hessenmetall) .

Seit 2013 Vorstandsvorsitzender von Hessenmetall .
Seit 2013 Vorsitzender Bildungswerk HESSENMETALL e. V., Bildungshaus Bad Nauheim
Seit 2013 Vizepräsident von Gesamtmetall.

Herr Mang ist seit 2012 Präsidiumsmitglied und seit 2014 Präsident der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e. V. (VhU)

 

 

Wolf Matthias Mang auf dem Hessischen Unternehmertag 2015 am 27.10.2015:

Investieren muss Unternehmern Spaß machen

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

ein herzliches Willkommen zum 24. Hessischen Unternehmertag der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.

Wir freuen uns, dass Sie – 1.000 Unternehmer und Entscheider aus Wirtschaft, Politik und Medien in Hessen! – heute zu uns gekommen sind, um mit uns über investitionsfreundliche Standortpolitik zu reden. Also über Innovation.

Unsere Unternehmen wachsen, aber vor allem im Ausland!

Dagegen befindet sich unsere Investitionsquote in Anlagen am Standort auf einem zwanzigjährigen Tiefststand. Machen wir also am Standort noch alles richtig?

Diese Frage stellt sich noch viel dringlicher angesichts der Herausforderung, wie wir die große Zahl der Flüchtlinge rasch in unser Leben und Arbeiten integrieren. Aber auch wie wir abgelehnte Asylbewerber konsequenter zurückschicken. Denn: „Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt“, hat der Bundespräsident am 3. Oktober in der Alten Oper dazu gesagt.

Um diese Riesenaufgabe gut zu bewältigen, müssen unser Land und unsere Unternehmen mehr investieren: in Digitalisierung, Infrastruktur und Innovationen. Das bringt mehr Menschen in Arbeit.

Herausforderung Integration meistern

Die Flüchtlingsströme sind eine große Herausforderung: bei der Erstversorgung, noch viel mehr bei der Integration in Leben und Arbeit.

Den Kriegsflüchtlingen müssen wir Schutz und rasch ein Dach über dem Kopf bieten. Bisher haben die Behörden und viele haupt- und ehrenamtlichen Helfer, die tagtäglich Großartiges leisten, diese Erstversorgung auch geschafft. Danke an alle, die hier mitanpacken.

Viele, die zu uns kommen, sind Wirtschaftszuwanderer aus sicheren Herkunftsländern, etwa vom Westbalkan. Sie müssen wir konsequent zurückschicken. Unsere Gesellschaft muss sich darüber einig sein, dass eine Willkommenskultur auch eine Abschiedskultur benötigt, die wir menschlich gestalten müssen.

Falls weiterhin täglich bis zu 10.000 Flüchtlinge kommen, müssten wir bis Ende 2016 mit über 3 Millionen Einwanderern rechnen. Ohne Familiennachzug. Auch wenn es uns gelingt, den Zuzug zu verlangsamen, ganz unterbinden können wir ihn sicher nicht.

Schon 1 Mio. Menschen ohne Deutschkenntnisse, mehrheitlich ohne Berufsqualifikation, werden nicht in einem Jahr einen Arbeitsplatz haben, Steuern und Sozialabgaben zahlen. Mindestens die Hälfte, vielleicht zwei Drittel werden von unseren Sozialsystemen aufgefangen werden. Dort dürfen sie auf keinen Fall bleiben.
Um diese Aufgabe zu bewältigen, müssen wir viele Dinge sehr viel besser machen als bisher:

  1. Für die Neuankömmlinge mit hoher Bleibeperspektive die Weichen auf schnellst-mögliche Integration stellen. Rasch ihre Berufsqualifikation identifizieren. Sie sofort die deutsche Sprache lehren. Und sie darauf verpflichten, was in Deutschland und Europa Selbstverständlichkeiten sind: individuelle Freiheitsrechte, Demokratie, religiöse und politische Toleranz, Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Selbstverantwortlichkeit des Einzelnen!
  2. Trotzdem brauchen wir zusätzlich eine gesteuerte Zuwanderung. Fluchtbedingte Migration ist dafür kein Ersatz. Deshalb muss ein Einwanderungsgesetz noch in dieser Legislaturperiode klar signalisieren, welche Qualifikationen gesucht werden und welche nicht. Ja, auch zur Abschreckung all derjenigen, die sich Illusionen machen. Aber viel mehr noch, um die richtigen Fachkräfte hierher zu holen.
  3. Für den erheblichen Anteil Geringqualifizierter müssen die Unterstützungs-anstrengungen viel erfolgreicher werden, als dies bei den Langzeitarbeitslosen der Fall ist. Dafür muss der Gesetzgeber alle selbst aufgestellten Hindernisse aus dem Weg räumen. Keinesfalls dürfen neue hinzukommen.
  4. Auch die Gewerkschaften müssen erkennen, dass wir alle mitnehmen müssen. Gerade Zeitarbeit ist eine gute Einstiegschance in Arbeit. Sie als zweitklassig abzuwerten blockiert Möglichkeiten.

Die hessische Wirtschaft kann Menschen – wenn sie dann Deutsch gelernt haben – Einstiegsqualifizierung, Ausbildungs- und Arbeitsplätze bieten: im technischen und handwerklichen Bereich, am Bau, in den Gesundheitsberufen, im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Innovatoren als Investoren

Wahrscheinlich noch gravierender als die Flüchtlingsströme wird die Digitalisierung der gesamten Wirtschaft unser Leben und Arbeiten verändern. Die Ideen für Smart Cars, Smart TV, Smart Banking und Smart Industry sprudeln. Eine neue Idee ist aber erst dann eine Innovation, wenn sie umgesetzt ist. Der Weg dorthin ist oft weit. Innovationen brauchen Investoren, also Unternehmer, die an diese Idee glauben und bereit sind, ihr persönliches Geld dafür einzusetzen. Und sie brauchen Menschen mit großer Neugier und Leidenschaft, die so lange daran arbeiten, bis aus einer neuen Idee eine echte Problemlösung, für die Menschen Geld bezahlen, und damit ein sich selbst tragendes Geschäft entstanden ist.

Also muss Investieren den Unternehmern und Innovation den Arbeitnehmern Spaß machen.

Deshalb ist ein investitionsfreundliches Klima für Innovationen die entscheidende Grundvoraussetzung für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung hier in Hessen, auch für Flüchtlinge. Dafür kann Politik die Rahmenbedingungen richtig setzen.

Wenn Sie mich fragen, wer diese Mega-Herausforderungen Integration und Innovation leisten kann, dann sage ich Ihnen: Das gelingt nicht gegen, sondern nur mit den hessischen Unternehmen. Und die Besten aus Hessen stehen heute im Finale der HESSEN-CHAMPIONS.

Belastungsstopp für die hessische Wirtschaft

Investitionsfreundliche Standortpolitik braucht Innovation und Integration, Investoren und Tüftler. Bei der Marktumsetzung von Innovationen und der raschen Integration in Arbeit müssen wir vieles richtiger machen als bisher. Damit Hessen und Deutschland fit für die Zukunft bleiben, muss unser Land stark bleiben. Das setzt eine starke Wirtschaft voraus. Die Wirtschaft ist umso stärker, je weniger der Staat sie belastet. Deshalb fordern wir:

Weg mit der staatlichen Preistreiberei beim Strom.
Die deutsche Energie¬politik ist ein Mühlstein um den Hals vieler industrieller Mittelständler. Der Strompreis muss runter und nicht rauf! Für neue Windräder, PV-Anlagen und Biomasseanlagen dürfen keinen EEG-Subventionen mehr zugesagt werden. Die EU-weite CO2-Obergrenze und der Zertifikatehandel sind ökologisch wirksam und kosteneffizient.

Ja zu einem fairen TTIP-Abkommen!
Weg mit unnötigen Zöllen, Regulierungen und doppelten Standards. Mehr Freihandel und ein besserer Investitionsschutz helfen unseren Mittelständlern, damit sie noch erfolgreicher in den USA sind. Hessen kann mehrfach profitieren: Unser Land ist exportstark, über den Weltflughafen Frankfurt wird ein großer Teil des deutschen Exportes abgewickelt und der Finanz- und Messeplatz Frankfurt lebt von der Internationalität.

Keine höheren Steuern!
Sie demotivieren die Fleißigen und die Innovativen. Sie verdrängen Investitionen ins Ausland. Bitte auch keine deutlich höheren Erbschaft¬steuern auf große Familienunternehmen in Darmstadt, Hanau, Melsungen oder Allendorf/ Eder. Der aktuelle Entwurf des Erbschaftsteuergesetzes muss korrigiert werden.
Was braucht es noch, damit die Wirtschaft stark bleibt, damit die Unternehmen hier am Heimatstandort mehr investieren?
Deutlich mehr Investitionen von Staat und Kommunen. Nicht weniger, wie vom Land Hessen auf Jahre geplant. Und dies bei Beachtung der Schuldenbremse.

Beispiel Schienenverkehr:

In Kürze wird der Gotthard-Basis-Tunnel fertig sein. Ich möchte nicht, dass Hessen zum Flaschenhals im Schienenverkehr zwischen Rotterdam und Genua wird. Politik und Bahn müssen endlich die Neubaustrecke Frankfurt-Darmstadt-Mannheim bauen! Und die regionalen Schienennetze ausbauen, damit der ÖPNV attraktiver wird.

Bildungspolitik auf dem richtigen Weg

In der Bildungspolitik hat sich vieles deutlich verbessert. Wir haben eine solide Lehrerausstattung von 105 Prozent. Der 2. Hochschulpakt sichert das Ausbildungsniveau. Das Promotionsrecht für Fachhochschulen stärkt den Praxisbezug in Lehre und Forschung: Weiter so!

Der größte Fortschritt war 2015 die Öffnung des Hochschulzugangs für Facharbeiter. Dies hatten wir auf dem Hessischen Unternehmertag 2014 eindringlich mit dem Ministerprädienten und dem BDA-Präsidenten diskutiert.

Im Entwurf des hessischen Hochschulgesetzes findet sich eine Öffnungsklausel, die auch die duale Berufsausbildung bei entsprechenden Fähigkeiten öffnet für einen Hochschulabschluss. Dann bräuchten 16-Jährige nicht mehr eine finale Berufsentscheidung für oder gegen das Studium zu fällen, sondern könnten erst einmal mit einer dualen Ausbildung starten und später – wenn es passt – akademisch aufstocken.

3 Wünsche bleiben:

  1. Das staatliche Bildungssystem braucht mehr "Lebensnähe"
  2. "Echte" Ganztagsschulen, vor allem an den Grundschulen, ausbauen.
    Das hilft Eltern zu besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  3. Mehr duale Angebote von Hochschulen

Mehr investieren, weniger umverteilen!

Die hessische Landesregierung hat bei der verstärkten Umverteilungspolitik – Rentenpaket und Mindestlohn – im Bund vielleicht nicht mit Begeisterung mitgemacht, jedoch auch nicht ihre Stimme dagegen erhoben.

Wir fordern sie deshalb auf, ihren erheblichen Einfluss über ihre Parteien und den Bundesrat zugunsten eines Belastungsstopps für die Wirtschaft stärker geltend zu machen: insbesondere bei der geplanten weiteren Einschränkung von Werkverträgen und Zeitarbeit.

Die Ausgaben des Staates für die Versorgung von Flüchtlingen steigen stark an. Es wird schwieriger, das strukturelle Defizit des Landes bis 2019 abzubauen.
Land und Bund sollten die Kosten der Flüchtlingsversorgung nicht als Rechtfertigung heranziehen für eine höhere Neuverschuldung. Diese Finanzierungslasten dürfen nicht in die Zukunft verschoben werden.

Da Steuererhöhungen das deutlich größere Übel sind, bleibt nur eine Finanzierung durch Verringerung der staatlichen Ausgaben, vorzugsweise der nicht-investiven Staatsausgaben, um die Flüchtlingskosten zu finanzieren.

Hessen – ein starkes Land!

Mit diesem Titel hat der Spiegel recht!

Um die Weichen für den künftigen Wohlstand richtig zu stellen gilt es, Integration und Innovation anzugehen: zügig, zupackend und zuversichtlich.

Das sagt sich leicht. Aber diese Herausforderungen erhöhen den Druck auf politische Reformen und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Unsere Lösungen in der Nachkriegszeit, der Wiedervereinigung und Weltwirtschaftskrise stimmen mich zuversichtlich.

Was es braucht, zeigen unsere heutigen Hessen-Champions: die Weltmarktführer, die Innovatoren und die Jobmotoren.